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Die U-Bahn ist eine Welt für sich. Besonders die, die durch Neuperlach fährt. Es scheint mir, als würde die ständige Fahrt im Tunnel den Menschen ihre Freude aus den Herzen rauben. Setzt natürlich voraus, dass sie sich irgendwann überhaupt einmal gefreut haben.

Nun, auf meinem Weg in die Uni beobachte ich dieses Phänomen täglich aufs Neue: morgens tummelt sich eine Bild-Zeitung neben der anderen, gelegentlich auch eine TZ. Dahinter und dazwischen solche Leute, mit denen man einfach nichts zu tun haben will. Kein Lächeln, kein Schmunzeln.

SZ-Leser findet man natürlich nicht, oder sie verstecken sich gut. Heute aber war ich mutig und setzte mich auf dem Heimweg mit einer Süddeutschen Zeitung in die U-Bahn. Ganz verstohlen kamen ein paar Blicke rüber. Darauf war die U-Bahn nicht vorbereitet gewesen! Nun ja, als ich dann beim Lesen vom Streiflicht auch noch das Lachen anfangen musste, da dachte ich, dass der Rest der U-Bahn jetzt bestimmt denkt, dass ich mich mit meiner SZ für was Besseres halte. Und dann stellte ich fest, dass ich tatsächlich so dachte. Zumal ich die Zeitung geschenkt bekommen hatte. Wer darf schon kostenlos Mercedes fahren?

Schranken sind ja ohnehin ein Machwerk des Bösen, vor allem wenn sie schlecht programmiert sind und 10 Minuten vor Eintreffen des Zuges schließen...

Jedenfalls wurde ich heute eines besseren belehrt. Schranken sind durchaus in der Lage, Gnade und Mitgefühl zu zeigen! Bei der Ankunft im Bahnhof meines Vertrauens fangen normalerweise alle Leute, die aus der Bahn kommen, an zu rennen, damit sie die Hauptstraße überqueren können bevor die Schranke aufgeht und ein überqueren dank hunderter Autos unmöglich macht. Die Bahn kommt also an, Rentner, Schulkinder, Manager verlieren ihre sonstige Ruhe-und-Gelassenheits-Würde und fangen an über die Hauptstrasse zu rennen. Da ich ohnehin früher als sonst nach Hause komme und ich bei sowas eher warte, bis die Autos vorbei sind, anstatt mich sinnlos abzuhetzen und eine Minute zu sparen, gehe ich also in normalem Tempo Richtung Hauptstraße.

Und die Schranke bleibt unten.

Auf beiden Seiten der Schranke stehen Fußgänger, sie bilden einen Klumpen auf dem Gehweg. Ich bin der letze, der über die Straße gehe, und werde von dem Haufen beobachtet... als ich meinen Fuß auf dem Gehweg setze, geht die Schranke hoch.

Fazit: Die Schranke hat Respekt vor mir!