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USK 16

Heute war ich in der Stadt. Genauer gesagt, in einem zentralisierten Ort für Geschäfte. Noch genauer gesagt, im hierzulande sehr bekannten PEP.

Nichtsahnend ging ich durch die überfüllten Gänge. Die üblichen Läden halt. An der letzten Station, der von mir gehasste “Gamestop” (oder so?) sprach mich ein jugendliches Kind (so 12, 13 Jahre) an, und fragte mich, ob ich das ab 16 freigegebene Splinter Cell kaufen könnte. Sozusagen die USK untergraben! Ich lehnte ab, und kam mir asozial vor. Hatte ich doch in dem Alter Doom 2 vor 5 Jahren bereits durchgespielt (In Deutschland indiziert).

Doch meine innere Unruhe wurde weggepustet. Das Kind fand einen anderen Erwachsenen, der die unmoralische Tat dankend durchzog. Ohne zu argumentieren.

Sehr effizientes System. Ich bin beeindruckt.

Übrigens wurde die Blog-Sidebar aufgepäppelt, yay! Wenn man sich registriert, kann man einstellen, dass man bei jedem neuen Blogpost eine Email bekommt. Also los!

Zur Information: Ich kann das Geschäft daher nicht leiden, weil ich mir vor Jahren dort Oblivion gekauft habe, und mir der Verkäufer eine Komplettlösung dazu andrehen wollte und mir unterstellte, dass ich “am Montag da sein werde und um diese Lösung betteln werde”. Ich. Eine Komplettlösung. Gehts noch?

Ein alt bekanntes Lied neu eingespielt

Das es schon seit langer Zeit Leute gibt, die in Computerspielen das ultimative Böse sehen, sollte allen bekannt sein. Und auch, dass es alle Jahre wieder einen ähm… ja… “Beleg” für ihre Theorien gibt. So kürzlich wieder geschehen, im “Kölner Aufruf”. ? Aufmerksame Leser von Nachrichten über Computer und -spiele wie z.B. auf gamestar.de wissen womöglich schon worum es darin geht, für alle anderen fasse ich es mal zusammen.

Im “Kölner Aufruf”, nach der Stadt Köln (Dank Gamesfachhochschule und Gamescom besser bekannt als “der Hort des Bösen”) werden allerlei… nun, interessante Thesen angesprochen. Demnach werden Computerspiele vom Militär, der Industrie und der Politik gleichermaßen zur “Erziehung zu künftigen Soldaten” benutzt.

Aber es werden auch Forderungen für die Besserung der Situation gemacht. Dabei meine Favoriten:

  • dass Wissenschaftler ihre Finanzierung durch die Games-Industrie offenlegen
  • dass Politiker, Wissenschaftler und Medienvertreter ihrem Auftrag gerecht werden, dem Frieden zu dienen, wie es Grundgesetz, Menschenrechte und Völkerrecht verlangen – sonst müssen sie abtreten.

Oder um es kurz zu sagen: Jeder der anderer Meinung als die Spielegegner ist, ist ein korrupter, freiheitshassender, menschenverachtender Soziopath, den man wahrscheinlich besser einsperren sollte.
Doch ich möchte jetzt nicht sagen, dass ich für “Killerspiele” bin. Ich finde es gibt eindeutige Grenzen, wie gewalthaltig ein Spiel oder ein Film oder auch irgendein anderes Medium sein darf. Aber dabei muss man eine offene Diskussion führen und sicher nicht mit äußerst fragwürdigen und lächerlichen Argumenten um sich werfen. Dann wird man von der Gegenseite nämlich nicht ernst genommen und die Fronten verhärten sich.

Denn:
“Verantwortlich sind also nicht Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, denen die Bewältigung der Folgen immer zugeschoben wird. Verantwortlich sind Hersteller und Kriegsindustrie; die inflationäre Verbreitung der Spiele ist politisch gewollt und wird von „Wissenschaft“ und Medien bereitwillig vorangetrieben.”

Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/media/13254/Aufruf_gegen_Computergewalt.pdf

Hemmingway

Der neunjährige Ernest Hemmingway genoss es, den Leib von Ameisen mit einer Pinzette zu zerquetschen. Dass die Entwicklung von Genie und Intellekt des späteren Literaturnobelpreisträger davon maßgeblich bestimmt wurde, daraufhin deuten Erkenntnisse der angewandten Soziologie, Psychologie und Kindespädagogik.

Bei der Planung von Schulen und Kindertagesstätten ist daher auf folgendes zu achten:
Es sollte ausreichend Platz für kindliches Spielen eingeräumt werden – insbesondere für das Zerdrücken von Ameisen mit Pinzetten. Offensichtlich ist, dass erst diese Planungssorgfalt das geistige Heranwachsen unserer Kinder ermöglichen kann.

Kranke Welt

Nachdem meine Begeisterung für gewalthaltige Spiele langsam abnimmt, werde ich wohl langsam zur exakten Gegenseite hinübergezogen. Ein Vertreter der Anti-Killerspielfraktion praktisch. Warum?

Es ist wohl ein wenig seltsam, das gerade aus meinem Mund zu hören. Aber lag meine Begeisterung wirklich im, hart ausgedrückt, virtuellen Massenmorden? Was so faszinierte ist doch eher der Teamgeist, die gemeinsame Mission, das Erfolgsgefühl. Aber genau dieses Gefühl kommt mir langsam morbider denn je zuvor vor. Ein Großteil aller “Spiele” stellt das, was in anderen Teilen dieser Welt grausame Realität ist, als Spiel, als Sport, als Spaß dar. Ist das wirklich richtig?

Einige werden sicher, so wie auch ich früher, mit der “Das ist doch nur digital, die respawnen ja”-etc These argumentieren. Ich finde aber langsam, dass wir solche Spiele nicht brauchen.? Zwar war, bin? ich ein Fan der Battlefield-Reihe, aber als ich vor ein paar Monaten hinter einem Betonklotz kniete und ein Mech alles niederschoss, und ich dann erleben durfte wie ein Teamkamerad ein paar Meter von mir entfernt von einem Sniper erschossen wurde, dabei übrigens mit einem realistischen Ragdoll-Modell weggeschleudert wurde, dachte ich mir… warum spielen wir solche Spiele? Ehrlich gesagt ist es doch einfach nicht lustig.

Wie ich darauf komme? Nun, das von mir mit Spannung erwartete Left 4 Dead wird in knapp einem Monat released, vor circa einer Woche wurde bekanntgegeben, dass die Version “cut”, also mit entfernten Spielelementen in Deutschland erscheinen wird. Mir persönlich ist das vollkommen egal, mir geht es in diesem Spiel um den Gruselfaktor und das gemeinsame Wir-Müssen-Überleben-Gefühl. Die Reaktion der Forenmitglieder auf diese Nachricht hat mich allerdings ein wenig schockiert, so bezeichneten viele diesen Cut als “Spaßbremse”, andere sagten, dass sie das Spiel nicht mehr kaufen würden, wenn es geschnitten verkauft wird. Die entfernten Spielelemente sind übrigens:

-man kann keine Gliedmaßen mehr abschießen

Wenn ein Spiel deswegen für einen Spieler seinen Reiz verliert, dann sollte man sich doch wirklich Gedanken machen. Man spielt ein Spiel doch nicht fürs möglichst brutale Umbringen! Vielleicht haben die alten Politiker doch Recht und alle solche Spieler sind irgendwo ein klein bisschen geschädigt, vielleicht sollte man solche Spiele wirklich komplett entfernen und dafür durch lustige Spiele wie Clonk und Pure ersetzen. Die Gesellschaft, diese Welt ist ohnehin fragwürdig genug.